Warner Springs onwards

Sonntag Nachmittag sind wir in Warner Springs angekommen, haben einen kühlen Eistee genossen, haben uns eine Bucketshower gegönnt und sind danach über einen Schleichweg in das sogenannte Zentrum von Warner Springs gelaufen um dort bei einem Golf Club Grill Abend zu essen. Eines muss man den Amies lassen… REFILLS ohne Ende!!! War das super… ein mal ne Sprite kaufen und so viel trinken wie du magst… super! Nach dem Essen wurden wir dann per Zufall beim Zahlen von einem alten, aus Deutschland ausgewanderten Ehepaar erkannt und nach mehreren Minuten „Wie schön ist es andere deutsche zu sehen!“ wurden wir von Heinz (Ludwig), der schon ein paar Drinks intus hatte, zurück zum Campingplatz gefahren.

Am nächsten Tag hieß es mal ausschlafen bis halb Sieben. Um acht Uhr hätte das Post Office geöffnet, aber da auf dem Campingplatz um die Fünfzig Hiker auf ihre Pakete gewartet haben, entschlossen wir uns dazu, erst mal um acht Uhr bei dem kleinen Outfitter gleich am Community Center (Camping Platz) vorbei zu schauen und uns ein wenig Beraten zu lassen. Sandra hatte ihre Luftmatratze irgendwo liegen gelassen und auch Simona war mit ihrer nicht zufrieden (Diese war eine Mischung aus Isolierung und Luft und hat immer Frust bereitet beim Zusammenpacken). In dem Outfitter haben wir auch gleich jeder noch Inlets für die Socken gekauft, d.h. Ganz dünne Socken, die sogar einzelne Abteile für die Zehen haben, um zukünftigen Blasen vorzubeugen.

In dem Outfitter haben sich Simone und ich auch noch neue Schuhe gekauft. Meine La Sportiva aus Pfronten erwiesen sich in den letzten sieben Tagen auch als viel zu eng. Mit den neuen fühlt sich das Laufen wieder gut an. Gegen elf Uhr entschieden wir uns dann doch zum Post Office zu gehen, der erste Versuch die eine Meile zu Hitchhikern schlug leider fehl, da uns niemand mitnehmen wollte, also ging es über den kleinen Trampelpfad in die „Stadt“ hinein. Im Resupply Packet gab es dann wieder frische M&M‘s, neue (alte) Knorr Gerichte für den Abend (yay) und frisches Oatmeal.

Auch haben wir ein Packet nach Deutschland geschickt mit alten Items die wir nicht mehr brauchen. Wie z.B. Meine Schuhe und eine Veste die ich mitgenommen haben… Wer braucht auf dem PCT auch noch eine Weste… Verrückt!

Nach dem Post Office besuch haben wir relativ zügig einen Hitch zum Campingplatz zurück bekommen. Nun wirklich in der Mittagshitze gab es auch kein daran denken loszulaufen. Also wurde wieder eine Bucketshower getätigt und bis 15:00 im Schatten versessen. Dann ging es aber noch los… 10 Meilen standen auf dem Abendprogramm. Nach der Hälfte gab es erst mal Abendessen damit genug Kraft vorhanden war um das letzte Stück Steigung auch noch zu bewältigen. Auf den letzten zwei, drei Meilen ging die Sonne in einem schönen Sonnenuntergang unter. Auf die letzte halbe Meile hab ich auch noch Billy Goat eingeholt der sich auch zum Zeltplatz schleppte. Sein Wanderkollege watete oben schon. Zwei Zeltplätze waren schon belegt und bis zum Morgengrauen waren es neun Zelte und drei Cowboycamper. Cowboycamping ist einfach Zelten ohne Zelt, also Luftmatratze aufblasen, in Schlafsack rein und einschlafen. Leider haben wir an diesem Abend Sandra verloren. Ihr war der Aufstieg zu lang und hat sich ca. 1.7 Meilen vor dem Ziel schlafen gelegt.

Am Morgen sind wir dann zu zweit (fast, normalerweise wären es zwei Stunden) die übliche Distanz vor dem Frühstück gelaufen und haben uns ab kurz nach sieben nach einem Frühstücksplatz umgeschaut. Eine gute Zeit später kam Sandra dann auch um die Ecke und während wir schon wieder einpackten und weitermarschiert sind hat sie die, nun schon heiße, Morgensonne genossen. Unser Zeil für die Mittagssiesta war ‚Mikes‘-Place. Einer der vielen Trailangel die ihre Grundstücke PCT-Hikern zur Verfügung stellen. Mike selber war nicht zuhause, aber andere Helfer. Dort angekommen gab es Bratkartoffeln mit Zwiebeln vom Grill, frisches Wasser und ein super cooles Schaukelsofa um ungefähr vier Stunden Siesta zu machen und somit die Mittagshitze zu überbrücken. Aber bevor wir verhocken konnten, ging es um drei Uhr wieder weiter, um unsere Schlafplätze noch zu erreichen. Nach gute zwei Meilen bergauf, ging es ab dem Höhepunkt nur noch bergab. Was eine schöne alternative zum Vormittag war.

Jetzt blieben nur noch achtzehn Meilen übrig bis zum Paradise Valley Cafe. Aber anstatt sich Abzuquälen haben wir uns dazu entschlossen diese Distanz auf zwei Tage aufzuteilen. Als erstes vierzehn Meilen und am letzten Tag des Abschnittes Warner Springs – Paradise nur noch vier Meilen um pünktlich um acht Uhr zur Öffnung des Cafes frühstücken zu können.

Die vierzehn Meilen wurden in neun in der Früh und die restlichen fünf am Abend unterteilt. Die Mittagssiesta (ca. 4,5h) haben wir neben einem riesigen Steinfelsen verbracht der erstklassigen Schatten gespendet hat. Herrlich. Jetzt stehen nur noch vier Meilen an um ins Paradis zu kommen. Wir können es kaum erwarten 🙂

In der Wüste angekommen

Gesamtschritte sollten bei 260.000 liegen.

Nach unserem Zero-Day ging es gestern wieder weiter. Der Ruhetag hat der Fußsituation super getan. Die zwei großen Blasen an den Außenfersen sind leer (hoffentlich) und trocken gelegt. Dafür hab ich jetzt wieder zwei symmetrische dazubekommen die in den Innenseiten der Fersen liegen. Aber diese zwei kommen auch wieder nur durch Überanstrengung. Am ersten Tag nach dem Zero sind wir bis zum dritten Gate gelaufen, dort gibt es einen organisierten Wassercache. D.h. Ein paar Trailangel stellen dort hunderte von Gallons an Wasser hin und füllen diese Wassermassen immer wieder auf. Jeder Hiker darf von diesem Cache nur drei Litter nehmen. Wobei dies auch auf Vertrauen basiert, dass sich alle daran halten.

Für unsere Mittagssiesta gab es am ersten Tag so gut wie keine Möglichkeit einen geeigneten Schattenplatz zu suchen und nach über einer Stunde des Suchens nach so einem Schattenplatz hab ich mir dann ganz einfach einen eigenen mit meiner Zeltunterlage gebastelt. Ein Schattentarp (#GermanEngeneering)

An dem Cache-Abend zog der Himmel schon am späten Nachmittag mit Wolken zu, und bescherte uns somit einen gigantischen Sonnenuntergang. Es war so, alls ob der Himmel in Flammen gestanden hätte.

Von Julian bis Warner Springs sind es 32 Meilen, und bis zu dem dritten Gate waren es 14 Meilen nur hoch, hoch, hoch. In vielen, vielen Serpentinen. Der zweite Tag nach Warner Springs war dementsprechend 18 Meilen lang, was auch der Ausschlag für die neuen Blasen war. Aber, wenn man schon nach vier Stunden die 10 Meilen erreicht hat (ging für die erste Hälfte nur Bergab), fällt es schwer, dort schon das Zeltlager aufzuschlagen.

Kurz vor den 10 Meilen haben wir unsere 100 Meilen Marke überschritten… YAY. Nur noch 25,5 Mal und der Trail ist geschafft.

Also ging es weiter. Kurz vor dem Ziel sind wir noch am Eagles Rock vorbei gekommen, eine Imposante Steinformation die Aussieht wie ein großer Steinadler.

Hier hab ich auch meine erste Klapperschlange gesehen. Langsam ist es denen warm genug um aus ihren Winterquartieren zu kommen. Jetzt lieg ich gerade im Zelt auf dem ‚Camping-Platz‘ von Warner Springs und morgen geht es ab sieben Uhr zur Post, wo mein erstes Resupply Packet liegt. Danach wird es vermutlich wieder so warm sein, dass der Tagesmarsch nicht länger als 10 Meilen sein wird.

Mount Laguna bis Julian

Für die nächsten zwei Tage stand eine Distanz von ca. 35 Meilen vor der Tür. Am ersten Tag ging es so gut wie die ganze Zeit an Berg-Kämmen entlang. Wunderbare Ausblicke gepaart mit vorwiegend abfallendem Gelände.

Die ersten morgen-Meilen vergehen immer sehr schnell und bis Mittags sind meistens zwischen neun und zehn Meilen geschafft. Nach zwei Stunden laufen in der Früh wird erstmal gefrühstückt, d.h. der erste in der Kolonne (meistens mehrere Minuten voraus) sucht sich nach ca. Zwei Stunden ein schönes sonniges Plätzchen aus und fängt mit dem Frühstücken an. Nach dem Frühstück wird für weitere zwei bis drei Stunden gelaufen um dann um die Mittagszeit in einem schattigen Plätzchen die Mittagssiesta mit einem Mittagessen zu verbringen. Nach dem Mittag so gegen ein Uhr wird dann der Nachmittag in Angriff genommen, hier sind die Trekking Einheiten wieder in zwei bis drei Stunden-Blöcke unterteilt.

Heute sind wir zum Mittagessen bis zur Pioneer Mail Picnic Area gelaufen bei der wir von einem Zettel am Wassertank begrüßt worden sind, dass für die nächsten 35 Meilen keine Wasserquellen mehr zur Verfügung stünden. Also haben wir die Entscheidung getroffen am Nachmittag noch weitere elf bis zwölf Meilen zu wandern um in einem kleinen, windgeschützten Tal zu campen. Die Bergkämme sind hier sehr windig. So windig sogar, dass es einem anderen Hiker der oben auf einem Kamm gecampt hat sein Zelt zerstört hat. Für uns waren die letzten elf bis zwölf Meilen aber eine wahre Herausforderung und sehr anstrengend.

ABER wir haben bei Meile 59.5 unser erstes bisschen Trailmagic erleben dürfen. Eine große Box mit Grapefruits… Herrlich. Mit dieser Stärkung ging es dann viel einfacher auf den letzten vier Meilen ins das Tal runter.

Am fünften Tag hatten wir wirklich typisches Wüstenwetter… Es war super windig (extrem kalt) und gegen zehn Uhr hat es sogar angefangen ein wenig zu regnen. Ja… uns wurde gesagt es ging durch eine Wüßte und es würde heiß werden. Ach ja, zum Frühstück haben wir unser zweites bisschen Trailmagic erfahren dürfen. Zu unserem Frühstücksplatz ist ein Trail Angel mit Jeep hochgefahren der bepackt war mit Getränken. Also hat jeder eine Dose Cola bekommen. Super Sache!

Auch durften wir um zwölf für das erste Mal versuchen per Anhalter in eine nahegelegenen Stadt zu fahren (12 Meilen) und zwar nach Julian. Nach keiner viertel Stunde hat uns sogar auch schon eine super freundliche Amerikanerin mitgenommen (Julia). Ihr Auto war zwar schon voll bepackt aber wir haben alles so gestapelt (sogar eine Gefriertruhe auf dem Schoß) dass alle in das Auto reingepasst haben.

In Julian sind wir jetzt in einer Lodge, haben uns bei Carmens ein freies Bierchen gegönnt und ein leckeres Essen zunehmen können, haben bei MOM‘s einen gratis Pie (mit Eis) und ein gratis Getränk bekommen (weil wir ThruHiker sind). Das Leben könnte zur Zeit nicht besser sein.

Morgen ist ein Zero Day… das heißt wir bleiben hier im Ort und kurieren unsere Wehwehchen aus (zumindest ist das der Plan). 🙂