Where is Johnny?

Nach dem gestrigen Tag stand heute ein fauler „on-Trail“ Zero auf dem Tagesplan. Die Fußsohlen haben trotz der Anstrengung den gestrigen Tag erstaunlich gut überstanden. Oder der Muskelkater im Hintern übertüncht jeden Schmerz der Füße. Oder ich spüre nix, weil ich nur sitze?

Das so berühmte Frühstücksbüffet hat sich als Magisch erwiesen. Oder war es nur deshalb so gut, weil wir vom gestrigen Tag total ausgehungert waren? Vor allem das Rührei war eine Wucht. Sowohl das normale, als auch das Käse-Rührei… einfach unbeschreiblich der Geschmack.

Ach ja… wir? Ja wir… gegen zwölf wurde ich von Simone geweckt die ihre 24h Challenge fast komplett ausgenutzt hat und bis zur Timberline Lodge gepushed hat. Unglaubliche Leistung!!!

Als wir am späten Vormittag mit einem kleinen Bierchen auf die Terrasse gehen wollten, wurde uns an der Bar mitgeteilt, dass es für den draußen Aufenthalt nur 16oz Plastikbecher gab und keine 22oz. Obwohl die zusätzlichen 6oz nur einen Dollar gekostet hätten :O

Ich muss so ein enttäuschten Eindruck vermittelt haben, dass die gute Barkeeperin mir noch einen zweiten 16oz Becher fast zu zwei Drittel auffüllte und mir somit statt einem 22oz Getränk ein (mit Sicherheit) 25oz Bier verkaufte. Mit so viel Flüssigkeit konnten wir die Sonne auf der Terrasse super genießen.

Fürs Abendessen bzw. Den ersten Teil des Abendessens das Käsefondue (Vorspeise für 20$). Für den zweiten Teil gibt es nachher im Camp noch Ramen für die Hikerseele.

Morgen geht es wieder weiter, mit 21 Meilen. Mal sehen wie der Körper nach einem Tag Pause auf das Weiterlaufen reagiert.

Bend

Als wir vorgestern Abend noch mit Eva zusammen gesessen sind beim Essen stellte sich heraus, dass sie einen Trailangel von Bend angeschrieben hatte und sich am folgenden Tag (gestern) früh Abholen lassen würde. Ursprünglich stand Bend wie schon so oft nicht auf unserer Planung sondern nur Sisters. Aber… Bend hat einen unglaublichen Ruf bei Hikern und hat ca. 18 Brauerein von denen die meisten angeblich ein Hiker-Special haben. Das erste Bier für frei. Also kurz unsere Reiseplanung überflogen und uns dazu entschieden mit nach Bend zu fahren.

Gestern gegen zehn wurden wir dann abgeholt und nach einer Dreiviertelstunde vor einem Supermarkt nahe Downtown rausgelassen. Bend an sich ist eine super schöne Stadt. Mit knapp hunderttausend Einwohnern (Laut unserer Trailangelin), erinnert mich Bend ein klein wenig an Berlin in klein. Die Gegenden durch die wir gefahren sind, sind auch optisch a-typisch für Amerika und ganz ansehnlich.

Unserer erster Stop heute Abend war ein Areal einer alten katholischen Kirche welches komplett renoviert wurde und mehrere kleine Hotels und Bars beherbergt. Ein Hotelgebäude besaß drei versteckte Räume die man suchen konnte. Je ein Raum pro Geschoss wobei die ersten zwei relativ simpel zu finden waren, wenn man wusste wonach man zu suchen hatte. Dass beide Räume, räumlich an der selben Position waren (ein Stockwerk verschoben) hat natürlich nicht geholfen die Sucherei zu erschweren.

Im dritten Geschoss war es aber ein klein wenig anders. Hier gab es eine Besenkammer (So auch beschriftet) und nur wenn man sich getraut hat, dort hinein zu gehen und sich die Wände genauer anzuschauen konnte man durch eine versteckte Tür in eine kleine Dachgeschoss-Bar gelangen. „The Broom Closet“. Super tolle Idee und tolle Atmosphäre.

Im Anschluss haben wir unser Hiker-Special in einer angrenzenden Brauerei ausprobiert nur um kläglich zu scheitern. Man kann nicht alles gewinnen und morgen ist noch ein anderer Tag um es bei den verbleibenden 17 Brauereien zu versuchen.

Der heutige Tag war einer der faulsten Tage auf dem kompletten, bisherigen PCT (Außer, dass es heute Pfannkuchen zum Frühstück gab… selber gemacht mit Instant-Pfannkuchen Teig). Da alle unsere Pakete in Sisters liegen (unserem ursprünglich, geplantem Stop) hatten wir nicht allzu viele Aufgaben in Bend. Bis elf haben wir Magic gespielt, sind danach zum Einkaufen gelaufen (heute gab es Tortellini mit Spinat + Käsefüllung) mit einem kleinen Zwischenstopp in einem Fitnessstudio um uns zu wiegen. Ich bin wieder auf 68kg geklettert, wobei die letzte Wage, welche behauptete ich wöge nur 65kg eh ein klein wenig komisch war.

Gegen sechs ging es dann Richtung der ersten Brauerei. Mit den magischen Worten „Do you have, by any chance, a PCT-Hiker-Special?“ bekamen wir unseren ersten Pint umsonst. Damit wir dieses Special nicht komplett ausnutzen haben wir uns danach noch mal eines selber gekauft. Die Brauerei „Crux Fermentation Project“ hatte im Garten vor ihrem Hauptgebäude, welches gerade umgebaut wurde, mehrere Futterstände aufgebaut und war Schauplatz eines Aufgebotes dutzender Familien und anderer Locals die hier ihren Nachmittag verbrachten.

Danach ging es zur „Avid Cinder“ Brauerei. Auch hier klappte es mit den magischen Worten. Wobei wir hier noch eine Portion Avid-Donuts bekommen haben. Und, der zwang noch eine Runde selber zu bezahlen wurde dadurch gestillt, dass unsere erste Runde „last call“ war. Also die Brauerei danach schloss… um halb neun.

Nachdem wir schon zwei mal Glück hatten, sind wir ein Gebäude weiter zur „Immersion Brewing“ gelaufen. Hier stoßen unsere magische Phrase auf Unwissen. Aber nachdem wir der Besitzerin erklärten um was es sich handelt und dass es für Thruhiker in den meisten Brauereien ein Freibier gab, lud sie uns auf ein Bier an der Bar ein. Super, so hat es dann auch noch geklappt. Der Abend war gerettet.

Der Heimweg erwies sich als klein wenig länger als der Herweg. Gewisse Partien unserer Gemeinschaft waren nicht so an das Biertrinken gewöhnt.

Ashland Stress

Gestern Abend wurden noch die Bagels (okay es waren dann doch English Muffins), der Frischkäse und die Half&Half Milch geliefert. Yay das Frühstück ist gesichert… aber schon irgendwie freundlich und zuvorkommend.

Nach dem wir dann heute früh unsere Stärkung zu uns genommen haben ging es erst ein mal in die Stadt zum Safeway… Es stand ein Resupply für die kommenden zehn Tage an. Nach erfolgreicher Tat und 130$ weniger auf dem Konto (was an sich gar nicht teuer ist… jeden von uns hat es also nur 65$ gekostet für 10 Tage essen zu kaufen. 6.50$ pro Tag) ging es weiter zum Outfitter. Ich brauche neue Schuhe. Meine Schuhe sind nach knapp 900 Meilen stark ramponiert und in den letzten eineinhalb Wochen habe ich wieder vermehrt Beschwerden in Form von Blasen an den Fersen bekommen. Jetzt hoffe ich, dass die neuen Schuhe bis Kanada halten. Ich habe mich für LaSportiva (Weil ich die Marke einfach super finde) Wildcats entschlossen. Wildcats sind ähnlich den UltraRaptors nur haben sie ein klein wenig mehr Flexibilität für die Zehen. Nicht dass ich Zehenprobleme mit den Raptors bekommen habe. Dennoch wollte ich die neuen testen.

Im kommenden Verlauf des Tages haben wir fünf verschiedene Massage Salons aufgesucht, die aber alle keinen freien Zeitslot für uns hatten. Somit bleibt uns in Ashland eine Massage verwehrt… Dabei haben wir uns schon so darauf gefreut. Na ja eventuell in Sisters?

Beim Outfitter gab es neben den neuen Schuhen auch noch ein neues Kochsystem. Mein (drei Jahre) altes ist schon arg Verbeult und für eine Person eigentlich viel zu groß und sperrig. Zu all diesen tollen Ausgaben kam noch ein neues Wanderhemd (ein Patagonia), da mein sündhaft teures Ortovox Hemd schon an mehreren Stellen nachgegeben hat und vier Löcher aufweist. Für mich unverständlich, auch wenn ich mir bewusst bin was der PCT bzw was die letzten 100 Tage so einem Kleidungsstück antun.

Den Abschluss hat heute ein kurzer Abendbesuch beim Inder gemacht. Paneer jeglicher Art ist einfach nur Traumhaft.