Unverhofft kommt oft

Meile: 1331.3

Gelaufen: 3.3

Unser heutiger Plan war es, einen kurzen Resupply-Stop in Chester einzulegen. Aufstehen um sechs, zum Highway laufen auf halb acht, in die Stadt hitchen, ca. Vier Stunden in Cafes abhängen, alle elektronische Geräte aufladen und danach für weitere elf Meilen zurück zum Trail.

Die ersten zwei Punkte haben perfekt geklappt. Der Hitch Punkt erwies sich als etwas komplizierter aber nach einer halben Stunde wurden wir von Tina dann doch mitgenommen. Tina war auf dem Weg zu einem kleinen vormittags Hike im Lassen Nationalpark als sie uns an der Straße sah und entschied sich umzudrehen, zwanzig Minuten Umweg in kauf zu nehmen und uns in die Stadt zu fahren. (Ihr Ziel lag in entgegengesetzter Richtung).

Kurz bevor sie uns dann in Chester rausgelassen hat, meinte sie noch „Wenn ihr wollt, dann biete ich euch an bei mir am See im Haus zu übernachten. Falls ihr daran Interesse habt, hier ist’s ins Handynummer, schreibt mir einfach eine SMS“. Da man am Trail grundsätzlich NIE etwas abschlägt war unser toller Plan somit für die Katze. Nach dem Frühstück haben wir ihr dann zugesagt.

(Anscheinend lädt Tina seit 18 Jahren, nur ein mal pro Jahr zwei Hiker ins Haus ein. Wenn das stimmt waren wir Nummer 18 und somit in einem sehr exklusiven Club von PCT Hiker)

Es hat sich herausgestellt, dass das Haus eine halbe Villa ist und in einer super schönen Lage liegt direkt am See. Insgesamt hat das Haus vier doppelte Schlafzimmer, ein riesiges Wohnzimmer dessen Decke sich durch das ganze Haus zieht, eine doppelstöckige Veranda und einen Steg in den See.

Zuerst haben wir ein Zimmer in ersten Geschoss bekommen, aber nach mehreren Überlegungen wurden wir in den Keller umgezogen in dem es wesentlich kühler war als oben und auch in Grunde genommen schöner eingerichtet war.

Zum Abendessen wurde uns ein organischer Burger serviert, dessen Fleisch von höchster Qualität war. Ravioli mit Pilzen und. Salat. Davor noch jede Menge frisches Obst und Unmengen an Espresso. Ein wahrer Traum war es. Ach ja frisch gekühltes Bier gab es auch noch.

Den Nachmittag haben wir dann noch im See verbracht und haben gefaulenzt. Was kann da noch schöner werden.

Morgen früh bekommen wir dann noch ein schönes Frühstück mit Bagels&Creamcheese und frischem Rührei.

Ich kann nur immer wieder sagen… „The Trail provides“. Es ist unglaublich wie die Zufälle manchmal ausspielen und was es für großzügige Menschen auf dem Trail bzw. In den Trailtowns gibt.

Ein Traum wird wahr

Meile: 1207.3

Gelaufen: 20.3

Auch an Wochentagen kann es Magic auf dem Trail geben. Heute zum Beispiel. Nach achteinhalb Meilen haben wir den Highway 49 überquert. Gleich um die Ecke liegt die kleine Stadt Sierra City. Gerüchten zufolge keine wirklich gute Trailstadt (unfreundliche Einheimische), also liegt Sierra City nicht auf unserem Reiseplan. Durch diese Entscheidung sind wir nicht schon früher von PCT abgezweigt um über einen Sidetrail sondern sind eben bis zum Highway gelaufen.

Dort hat gerade Mutter und ein Vater deren Sohn und zwei weitere Hiker abgeladen und als ich am Parkplatz vorbei lief wurde mir entgegen gerufen: „Beer?“

Kurze Kalkulation… hier ist es halb neun in der Früh… also ist es in Deutschland halb sechs abends…. perfekte Zeit die ein Bier… aber wem spiel ich hier was vor… es ist ein Trailmagic Moment… da ist es egal wie spät es ist, alles wird angenommen.

Also wurde ich mit einem IPA (Indian Pale Ale) verwöhnt, hab drei Falafeln bekommen, einen vegi Eiermuffin und Schweizer Käse. Zum Abschluss habe ich noch ein, mit Kirschengeschmack versetztes Wasser, Salat, Käse, ein Eis und noch mal zwei IPAs (eins für mich, eins für Simone) ausgepackt. Mit gefühlt eineinhalb Kilo mehr bin ich dann den Berg nach Sierra City bzw die Hälfte hochgeflogen um den Mittagspausenplatz zu erreichen.

Mit den magic Items haben wir dann das Mittagessen bestritten und unsere normalen Bagel bzw Tortilla haben wir im Foodsack liegen lassen.

„The trail provides“

Das kirschen Wasser war übrigens HAMMER! Ohne „Zucker“ aber der Geschmack war unglaublich.

Angespornt von der abwechslungsreichen Energie ging es den restlichen Berg hoch, mit einem kleinen Fotoshoot am 1200 Meilen Marker.

Heute war ein sehr guter Tag. Den Abschluss hat eine große Portion Couscous mit mediterranen Gewürzen gemacht.

Schnitzeljagd mit Happyend

Meile: 1076.6

Gelaufen: 13.7

Heute stand ein kurzer Tag vor der Tür. Nur 13.7 Meilen. Nach dem Aufstehen stand ein längerer Aufstieg mit insgesamt knapp 900 Höhenmetern vor der Tür. Natürlich nicht durchgehend bergauf, aber schon konstant. Unser Ziel für die Mittagspause war der Frog Lake (Keine Frösche waren sichtbar/hörbar… False Advertising).

Nach freundlichen Gesprächen mit älteren Sectionhikern bzw. Wanderern die nur einen Tagesmarsch vom Carson Pass aus gestartet haben, erreichte ich gegen zehn Uhr und 12.5 Meilen den See und genoss für eine sehr kurze Zeit die Stille.

Da der Nachbarsee (Winnemucca See) anscheinend eine überaus große Beliebtheit bei Tageswanderern findet und nur eineinhalb Meilen vom Carson Pass entfernt ist (Highway 88) pilgerten hunderte von Leuten auf dem letzten Abschnitt Richtung See. Der Frog Lake liegt knapp 0.2 Meilen vor dem Winnemucca und auch nur einen Steinwurf neben dem Trail. Dementsprechend wurde er sehr gut von den Wanderern besucht. Vor allem von Hundebesitzern die Ihre Hunde in den See springen ließen.

Nach einer Dreiviertel Stunde kam dann Simone völlig durchgeschwitzt bei mir an. Sie habe sich heute sehr beeilt. Was ich ihr sofort geglaubt habe und was auch keine schlechte. Leistung war. Der See hat gelockt bzw. Die Vorfreude in ihm eine kleine Runde zu schwimmen. Nach meiner Uhr zu Urteilen, war es an meinem Handgelenk während wir geschwommen sind an die 17 Grad warm, abzüglich Handgelenk Wärme könnte der See dann so zwischen 13 und 15 Grad warm gewesen sein. Sehr erfrischend.

Nachdem wir uns von der Mittagssonne abtrockneten haben lassen, ging es dann auch schon weiter zum Pass. Wir wollten runter nach South Lake Tahoe. Dort erwartete uns eine Pizza, die wir mit dem Vorzeigen unseres Thruhiker-Permits bezahlen können.

Während wir uns mit einem Soda und einer Mandarine entspannten und nebenbei mit zwei älteren Wanderern Geschwätz hatten und sie mitbekommen haben, dass wir nach South Lake Tahoe wollen, haben sie es gleich in die Hand genommen um uns einen Hitch zu organisieren und haben gleich auf dem Parkplatz nachgefragt (ohne unser Wissen). Während dessen habe ich von einem anderen Section Hiker ein paar Essensvorräge abgenommen, die ihm zu viel waren und er nicht mehr mitschleppen wollte. Zwei mal Haferflocken, zwei Cliffbars und eine ganze Portion Mountainhouse Lasagne.

Als wir dann nach zwei Hitchs in South Lake Tahoe angekommen sind, ging es mit Umwegen zur Pizzeria um unsere Wohlverdiente Pizza abzuholen.

Da es die Woche vom vierten July ist, war es unser Plan ein Mietauto zu mieten und nach Reno (Nevada) zu fahren um dort ein günstiges Hotelzimmer zu bekommen. Beides zusammen wäre dann immer noch günstiger gewesen als ein Hotelzimmer in South Lake Tahoe. Da es aber auch noch ein Sonntag war, hatten alle Autovermietungen bis auf eine schon zu. Also schnell hin… Wir hatten ca. Eine Stunde um zur Vermietung zu kommen. Und wir haben es erfolgreich nicht geschafft. Kein Hotel wusste wo sich dieser ominöser Autoverleih befand. Wir wurden von einem Hotel zum Nächsten geschickt. So mit mussten wir uns nach einer Stunde geschlagen geben, da diese letzte Vermietung um halb fünf die Türen schloss und es eine Minute davor war. Also beschlossen wir zuerst zur Pizzeria zu gehen.

Zwischen dem hinsetzten und dem essen haben uns zwei verschiedene Frauen jeweils auf den Trail angesprochen bzw. Was wir denn so machen. Beide waren sehr interessiert und als die eine Frau während wir aßen mit ihrem Mann an unserem Tisch vorbeiging und das Lokal verließ, hat uns ihr Mann einfach so vierzig Doller auf den Tisch gelegt mit der Bemerkung „Das essen geht heute auf uns!“. Richtig coole Sache! Die zweite Überraschung erreichte uns als wir unsere vier Bierchen und Brownies bezahlen wollten: die zweite Frau hat auch schon zwanzig Euro dem Ober gegeben um diese unserer Rechnung anzurechnen.

Somit haben wir für zwei Pizzen, vier Bier und eine Portion Brownies mit drei Kugeln Eis (geteilt) auch noch 17$ obendrauf bekommen. Sowas nenn ich Trailmagic.

Anschließend ging es per Lyft nach Carson City, wo wir im Motel 6 ein kleines Zimmer für eine Nacht mieteten um am nächsten Morgen in einer Autovermietung in Carson City einen neuen Versuch starten wollten um unsere Reise nach Reno zu einem erfolgreichen Ende zu führen.